AbiApp antwortet auf Kritik an voreingestellter Anonymität

Bevor ich den letzten Beitrag geschrieben habe, hatte ich mich unter Pseudonym bei der AbiApp angemeldet, um das Programm kennenzulernen. Man darf sich nämlich nur als Schüler anmelden. Damit bin ich in einem performativen Widerspruch gelandet – ich bin unter falschem Namen aufgetreten, weil es mich stört, dass ohne Klarnamen Kommentare gesammelt werden –, den ich schlecht so stehen lassen wollte. Ich habe der Firma hinter der App also eine Mail geschrieben. Natürlich wollte ich auch wissen, was die Macher der App zu meiner Kritik sagen. Hier ein Auszug aus meiner Mail:

Mich freut, dass es möglich ist, die Anonymität der Kommentare auch
abzuschalten. Problematisch finde ich, dass die Anonymität
voreingestellt ist.

Ich bin der Ansicht, dass es zum Erwachsenwerden dazugehört, in einem
Kontext, in dem man einander kennt, zu dem zu stehen, was man über
einander äußert. Das Problem wird durch das Angebot, Kommentare zu
streichen und sogar Kommentierende zu blockieren, nicht gelöst, insofern ich ja zunächst beleidigt werden muss, um mich dagegen wehren zu können. Das Gift des bösen Wortes wirkt dann schon in der Seele. Das Gegengift einer konstruktiven Konfliktlösung steht nicht zur Verfügung.

Bei meiner Sichtung der App war ich überrascht, dass die AbiApp den Abizeitungsredaktionen vorschlägt, die Kommentare den Lehrkräften zur Begutachtung zu schicken – was ich problematisch finde. Sie stellt dazu sogar das Muster eines Lehrerbriefs bereit. Darauf beziehe ich mich in diesem Abschnitt:

Bei Ihrem Musterbrief gefällt mir deshalb der Schlusssatz besonders: „Wenn wir keine Rückmeldung erhalten, entscheiden wir nach unserem gesunden Menschenverstand, was wir abdrucken können.“

Ich werde künftigen Jahrgängen raten, die Anonymität der Kommentare
auszuschalten und auf die Lehrerbriefe zu verzichten. Es würde mich
freuen, wenn Sie meine Argumente bedenken und in der Gestaltung der App beherzigen könnten.

Dass die Jahrgänge unserer Schule regelmäßig Ihre gut gebaute App
verwenden, kann ich nach meinem pseudonymen Ausflug gut nachvollziehen!

Inzwischen habe ich eine Antwort aus der AbiApp-Fabrik erhalten, die sich für meine Rückmeldung bedankt. Offenbar ist meine Kritik verstanden worden. Konflikte werden als „Einzelfälle“ beurteilt. Nun ja. Schön ist es, dass es am Schluss heißt:

„Den Vorschlag, die Anonymität als Voreinstellung zu überdenken, greifen wir gerne auf und überdenken das nochmal genauer.“

Mal sehen, was dabei herauskommt.

In

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